Veranstaltungen 2014

Konflikte und Chancen im Prozess
“Wo Glauben Raum gewinnt”

Vortrag und Diskussion mit
Pater Prof. Dr. Thomas Grießbach O.P.

Dienstag, 9. September 2014, 19.30 Uhr
Kath. Gemeinde Maria Frieden (Pfarrsaal)
Kaiserstraße 27-29, 12105 Berlin
(U-Bhf. Westphalweg, Linie U6)

  • Alles wird anders? Das fragen sich die Katholiken des Erzbistums Berlin im Hinblick auf den pastoralen Prozess „Wo Glauben Raum gewinnt“ – jetzt auch mit Blick auf die Veränderungen in der Leitung des Erzbistums.
  • Wir laden dazu ein, den Erneuerungsprozess besonders unter zwei spannenden Aspekten zu diskutieren: Wie geht der pastorale Raum mit nach innen gerichteten Konflikten im Prozessverlauf um? Und, welche Gestaltungsmöglichkeiten gibt es nach Außen – zu Schulen, zu Krankenhäusern, zur Politik etc.?
  • Mit Pater Prof. Dr. Thomas Grießbach begleitet eine der geistlich und intellektuell maßgeblichen Persönlichkeiten in unserem Erzbistum den Abend als Referent und Impulsgeber.

 

Besuch der „Gärten der Welt“

Am 11. Mai 2014 besuchten wir die, aus dem Erholungspark Marzahn hervorgegangenen  „Gärten der Welt“.  Der Wetterbericht versprach nicht unbedingt das, was man sich für eine Gartenführung wünscht, aber Petrus hatte ein Einsehen und ließ die Wolken einen Bogen um den Landschaftspark machen.

Das besondere an den „Gärten der Welt“  ist, dass hier Gärten nebeneinander stehen, deren Gestaltungen durch die Religion des jeweiligen Kulturkreises geprägt sind. So finden wir hier Gärten mit taoistischen (China), buddhistischen (Japan), hinduistischen (Bali), islamischen (Orient) und christlichen (europäischer Kulturkreis) Gestaltungsprinzipien, Traditionen und Wurzeln.

Unsere Führung wurde durch einen jungen Studenten der Garten- und Landschaftsarchitektur geleitet, der uns hervorragend die Gestaltung der Gärten in Bezug zur jeweiligen Religion und Kultur erklären konnte.

Der erste Themengarten war der orientalische Garten oder „Garten der vier Ströme“. Er ist als riyad oder Gartenhof gestaltet. In der arabischen Welt gehören solche Gärten zu einem Gebäudekomplex und dienen als erweiterter Wohnraum. Der Orientalische Garten in Marzahn steht für Gartentraditionen verschiedener Länder. Mit den Beschreibungen des Paradieses (altpersisches Wort für ‚Garten‘: “para-deiza”) in den Koransuren werden die Gärten zu einem wichtigen Element der islamischen Kulturen mit Gestaltungselementen, die sich trotz regionaler Verschiedenheiten der Länder in den meisten Gartenanlagen wiederfinden.

Als zweites besichtigten wir den koreanischen Garten oder auch Seouler Garten genannt. Er wird geprägt durch vier Höfe, einen Wohn-Pavillon und eine koreanische  Naturlandschaft  mit Felsen, Wasser, Kiefern, Bambus, Eichen und Fächerahorn. Zu den auffälligen Elementen gehören abstrakte Figuren, die an den Wegen oder vor den Mauern der Höfe stehen und auf das schamanische Weltbild Koreas zurückgehen.

Der japanische Garten oder „Garten des zusammenfließenden Wassers“ ist ein Projekt der Städtepartnerschaft Berlin-Tokio. Was uns als Europäer an japanischen Gärten so fasziniert, ist die Fähigkeit japanischer Planer, die ganze Fülle und Schönheit der Natur in einem Garten einzufangen. Japanische Gärten sind Orte des Schweigens und des Schauens oder, um es mit einem Begriff unserer Kultur auszudrücken, es sind „Freilichtkirchen“. Es ist daher kein Zufall, dass der Gartendesigner, Shunmyo Masuno, Professor und Zen-Priester ist. Der Garten – YUU SUI TEI genannt – und der Pavillon mit Namen NYO SUI TEI bilden eine in sich geschlossene Gesamtanlage. Beide Bezeichnungen sind Teil des Themas, das für den Japanischen Garten als Ganzes gewählt wurde: „In der Verschmelzung Harmonie finden – wie zusammenfließendes Wasser“. Das Thema des Gartens soll den Wunsch nach einem friedlichen Miteinander aller Menschen zum Ausdruck bringen.

Der christliche Garten wurde erst im Jahr 2011 eröffnet und ist damit der bisher letzte Garten, der wie an einem „runden Tisch“ den Dialog der (Garten-)Kulturen unterstützt.  Er stellt einen Christlicher Garten„Raum der Sprache und des Wortes“ dar. Den großen Rahmen bildet ein Wandelgang aus goldfarben lackierten Buchstaben, der an das Ur-Muster eines klösterlichen Kreuzganges erinnert.  Die statisch tragenden Schriftzeichen aus dem Alten und Neuen Testament sowie aus Philosophie und Kultur laden nicht nur zum Lesen ein, sondern bilden bei Sonneneinstrahlung auch ein lebhaftes Wechselspiel aus Licht und Schatten – eines der zentralen Leitthemen des Gartens – und der europäischen Kultur.

Auf unserer Besichtigungstour die letzte Anlage, in der Baureihenfolge aber die erste, war der im Jahr 2000 eröffnete Chinesische Garten oder „Garten des wiedergewonnen Mondes“. Seit Urzeiten gehören fantastisch geformte Felsen und Steine zu den unverzichtbaren Besonderheiten eines chinesischen Gartens, wobei der Grundsatz gilt: „Der Stein muss mager sein und faltig wie ein Hundertjähriger“.  Aber nicht nur Steine haben Symbolkraft, Pflanzen ebenso. So stehen Chrysanthemen im Chinesischen Garten für ein langes Leben, weil sie erst dann blühen, wenn alle anderen Pflanzen schon verblüht sind. Der weiblichen Schönheit, Reinheit und Süße sind die Magnolien geweiht und Bambus, der sich biegt, aber nicht bricht, ist ein Zeichen für Anpassungsfähigkeit. Kiefern stehen für das Männliche, aber auch für langes Leben und große Erfahrung. Die Trauerweiden am Seeufer bringen mit der Anmut einer Tänzerin auf der Wasserfläche (Spiegel des Himmels) schöne Spiegelungen hervor. Herausragendes Bauwerk ist das Teehaus, „Berghaus zum Osmanthussaft“ genannt, das über Uferwege und eine Zickzackbrücke erreichbar ist.

Hier fand unsere Führung mit einer chinesischen Teezeremonie ihren Abschluss. China ist die Heimat des Tees, und dieser ist eng mit der Entwicklung der fünftausend Jahre alten chinesischen Kultur verbunden. Er gilt den Chinesen neben Holz, Reis, Öl, Essig und Sojasauce als lebensnotwendig. Nachdem Tee anfangs nur als Heilmittel in der Medizin eingesetzt wurde, diente er später – etwa seit 520 n. Chr. – auch den Mönchen bei stundenlanger Meditation als Mittel, die Müdigkeit zu vertreiben. Die chinesische Teekunst vereinigt Elemente des Taoismus, des Buddhismus und des Konfuzianismus in sich. Ziel der Teekunst ist der vollendete Teegenuss, die volle Geschmacksentfaltung des zubereiteten Tees.

Voller Eindrücke und gestärkt durch den Tee und ein kleines Gebäck traten wir in abendlicher Sonne unseren Heimweg an.